Grippezeit

Da naht sie nun, die Grippezeit. Allenthalben wird geschnieft, gerotzt, genießt und gehustet. Nicht nur im Büro, wie Thomas Hollman in seinem Podcast vom letzten Januartag diesen Jahres ausführte, nein eigentlich überall. Im Büro ist es derzeit keimtechnisch sogar erträglich, da die fraglichen Kollegen zu Hause geblieben sind. Es ist eher wie in der Unfallstatistik: die wirklichen Gefahren lauern auf dem Arbeitsweg. Jedenfalls dann, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen muss.  Die Oberflächen dieser Fahrzeuge sind dauerkontaminiert. Um auf Nummer sicher zu gehen, müsste man sich in einem Panikraum einschließen. Und wenn man schon in die Öffentlichkeit raus muss, dann doch wenigstens in einem dieser riesigen, aufblasbaren und durchsichtigen Plastikkugeln, mit denen einst schon Jackie Chan Hongkongs Hügel hinunter rollte. Das würde lustig aussehen, morgens in der S-Bahn. Überhaupt die Asiaten. Von denen können wir keimvermeidungstechnisch noch einiges lernen. Die Bilder, auf denen Asiaten mit ihrem Mundschutz zu sehen sind, kennt wohl jeder von uns. Die Frage ist nur: Möchte sich der Träger vor Keimen schützen oder schützt er die Allgemeinheit vor seinen Keimen?  Und ist so ein Mundschutz in Deutschland überhaupt erlaubt?

Bleiben Sie gesund!

Die neuen Schuhe

Ich bin eher ein Fan der leisen Töne, da können Sie sich meine Verwunderung vielleicht vorstellen, welche meine neuen Winterschuhe in mir hervorriefen. Die nämlich quietschten bei jedem festen Tritt auf den Asphalt. Im Laden hielt ich dieses quietschen noch für die Reibung zwischen Schuh und gummiertem Ladenboden. Beim ersten Austragen musste ich dann gegenteiliges feststellen, was mir in der Öffentlichkeit äußerst unangenehm war. Die Sohlen meiner neuen Winterschuhe wurden, wenn man dem Aufdruck wirklich Glauben schenken will, von der Firma Continental hergestellt. Jener Firma also, welche sonst eher für quietschende Autoreifen denn für quietschende Schuhe bekannt ist. Warum diese Firma jetzt auch in Schuhsohlen macht, muss wohl den Aktionären geschuldet sein. Für die muss man ja ständig neue Geschäftsfelder auftun. Und mit Bodenhaftung kennen sie sich bestimmt aus bei Continental. Das ist gut für Winterschuhe, löst aber mein Problem nicht. Ich kann Geräusche von Mitmenschen nur schwer ertragen. Zum Beispiel dieses laute, asthmatische Atmen, das Hochziehen des Naseninhalts bei Schleimabsonderung, oder das Rumgehuste zur Grippezeit. Als Pendler in Berlins S-Bahnen hört man da so einiges über den Tag und das sind nicht immer die lieblichsten Töne. Keine Ausnahme sind dabei auch akustisch auffällige Kleidungsstücke. Laute Menschen ertrage ich nur im Fußballstadion, aber da hört man ja auch meine neuen Winterschuhe nicht quietschen. Ich habe mir dann einmal das Sohlendesign angeschaut und die Schwachstelle gefunden. An einer Stelle ist die Sohle in eine Art Rille hineingestopft worden, so dass sich nun zwei Lagen Sohle gegenüberliegen. Und zwar so dicht, das sie aneinander reiben. Ich habe erst einmal Ölspray dazwischen gesprüht. Sie wissen, das ist dieses Spray mit welchem man sonst Schlösser wieder gängig bekommt oder Türen das quietschen abgewöhnt. Meine Schuhe sind nun endlich geräuschlos, ganz anders als der neue Mantel des Herrn Hollmann, dessen Radio-Kolumne für Info-Radio (27.01.2017 – 100 Sekunden Leben: Der neue Mantel) als Inspiration für diesen Artikel diente.